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Aus Halles Sportgeschichte

Die Ursprünge des Sports in Halle

Sport in Halle. Die Frage nach seinem Ursprung, seinen Anfängen richtet den Blick in die Vergangenheit dieser Stadt. Wie weit müssen wir zurückblicken?

Friedrich Ludwig Jahn hatte in Halle "einige Semester gemacht", aber das Turnen entwickelte er erst später, in Berlin. Johann Christoph Friedrich GutsMuths lernte als Student bei den Halloren schwimmen; deren Anregungen schlugen sich im Lebenswerk dieses großen Pädagogen und Sportlehrers nieder. Aber doch auch erst viel später.

Körperübungen als freudbetontes Treiben und zur Erhöhung der Wehrfähigkeit für den Schutz der Stadt sind in Halle (wie in allen mittelalterlichen Städten) so alt wie die Stadt selbst. So finden wir Organisationsformen für militärische Übungen in den Zünften und Innungen, aus denen dann im Spätmittelalter auch in Halle die Schützengesellschaften entstanden, die im modernen Verständnis jedoch eher Verbindungen zur Pflege des geselligen Lebens als eben Sportvereine waren.

Das Schwimmen wurde über die Jahrhunderte hinweg zu einem festen Bestandteil in den Lebensgewohnheiten der Halloren. Besonders die unteren Schichten der Salzwirkerbrüderschaft mussten Ende des 18., anfangs des 19. Jahrhundert aufgrund von Absatzkrisen in der Salzproduktion diese Sportart notwendigerweise als Schwimmlehrer zum Lebensunterhalt nutzen. Auch durch mutige Sprünge von den Saalebrücken zeichneten sich Halloren aus. So nimmt es nicht Wunder, dass der Hallore Ticky Mitte des 19. Jahrhunderts erst Impulse zur Entwicklung des Wasserspringens als moderner Sportart gab.

Es war die bürgerlich-demokratische Revolution von 1848, die in Halle endlich bewirkte, was in vielen anderen Städten (nicht nur in Preußen) schon früher Realität geworden war: das Entstehen eines Turnvereins, der ersten nachgewiesenen Organisation für all die Tätigkeitsformen, die heute mit dem modernen Sammelbegriff Sport bezeichnet werden.

Dieser erste Turnverein in Halle, gegründet 1848, war ein Schülerturnverein in den Franckeschen Stiftungen und bildete den Auftakt für Auflösung und Wiederentstehen von Turnvereinigungen entsprechend der gesellschaftlichen Entwicklung. In den Jahren bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich ein neues Sportverständnis, das sich in der Gründung des ersten Rudervereins 1874 in Halle widerspiegelte.

Die Sportvereine Halles durchlaufen die Phase der Gründung und Konsolidierung recht rasch. Rudern und Tennis sind betont bürgerliche Sportarten, während Schwerathletik (Boxen, Ringen, Gewichtheben) stärker durch die Vereine des Arbeitersports betrieben werden. Bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich die Leichtathletik aus der ursprünglichen Funktion als Konditionstraining des Fußballs zu einer eigenständigen Art des Sporttreibens.

Nach dem 1. Weltkrieg, gleich ob in der Heimat oder an der Front erlebt, entsteht ein äußert starkes Bedürfnis in allen Teilen der Bevölkerung, in freier Natur zu wandern und Sport zu treiben. Viele Vereine, die kriegsbedingt ihren Betrieb einstellen mussten, beginnen, personell und materiell, mit hohen Zielen den Neuaufbau.

Sport bekommt Massencharakter, sowohl was die aktive Teilnahme als auch das Zuschauerinteresse betrifft. Der Magistrat und die weitere Öffentlichkeit bemühen sich, Halle zu einer Stadt des Sports zu machen; neue Sportstätten entstehen (VfL 96 - Sportplatz am Zoo, Borussia - Sportplatz Endstation Linie 1; SV 98-Sportplatz Huttenstraße, Eintracht-Sportplatz Siedlung Halle-Süd); große Wettkämpfe werden organisiert ("Quer durch Halle"); hallesche Sportler erkämpfen nationale und internationale Anerkennung.

An der Universität müssen jedoch konservative Vorbehalte mühsam überwunden werden, ehe das Institut für Leibesübungen (IfL, seit 1925) Ansprüche aus wissenschaftlicher Anerkennung anmelden kann. Technische Sportarten (Auto- und Motorradrennsport, Flugsport) haben einen festen Platz im Sportleben der Stadt.

Der Sport in der Zeit des Faschismus ist davon geprägt, dass er sofort in die Strukturen des Nazisports überführt und für die national-sozialistische Ideologie und Propaganda genutzt wurde.

Das bringt messbare Ergebnisse in der Massenbeteiligung am Sport ("Kraft durch Freude") und mehr noch in der Leistungsentwicklung. Hallesche (und ehemals in Halle trainierende) Spitzensportler werden national und international bekannt (G. Stöck, H.H. Sievert). Diese (scheinbar, echte?) Blüte des Sports endet mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges. Am Ende muss Hans Hädicke, ein über die Grenzen Halles hinaus bekannter Funktionsträger im Sport, in der "Blau-roten Feldpost", dem Vereinsblatt für die im Felde stehenden VfL 96er, immer häufiger Gefallenenanzeigen drucken.

In den mühseligen Anfängen der Nachkriegszeit erlangt der Sport, wie die Kultur in allen Ihren Formen, neue Funktionen: die Menschen brauchen Ablenkung, Entspannung, Erholung, Erbauung. Und der Sport, so widersprüchlich das scheint, zieht viele, besonders junge Menschen an, trotz Nahrungsmangels und körperlicher Schwäche.
Schon 1945 entstanden so die erste Sportgemeinschaft, nach den Maßgaben des Alliierten Kontrollrates und der SMAD auf kommunale Strukturen begrenzt. Eine Besonderheit in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) ist die Zulassung des Profisports, der in Halle stark ausgeprägt ist, auch in sonst verbotenen Sportarten (Boxen). Seit 1946 übernimmt die FDJ die Verantwortung für die Entwicklung demokratischer Strukturen im Sport, bis mit dem 01.10.1949 der Deutsche Sportausschuss die Leitbehörde in der SBZ wird. In Halle organisieren sich die Sportler zunehmend in Betriebssportgemeinschaften. Der Drang zum Sport und besonders zum sportlichen Wettkampf wird durch die Halleschen Großbetriebe zunehmend und großzügig gefördert. Bei Ostzonenmeisterschaften und seit 1949 DDR-Meisterschaften sind daher hallesche Sportler immer häufiger erfolgreich und Sieger.

Die Verfassung der DDR von 1949 und das Jugendgesetz von 1950 sichern jedem Bürger das Recht auf Sport, der Massencharakter erhält. Die bald einsetzende Orientierung auf Spitzensport führt in den 50er Jahren zur Gründung der Clubs (SC Wissenschaft später SC Chemie Halle). Die damit verbundene Konzentrierung von leistungsfähigen Sportlern führt in vielen Sportarten hallesche Talente zum Erfolg.

1957 übernimmt der ins Leben gerufenen Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) die Aufgaben des Deutschen Sportausschusses, der seine Tätigkeit einstellt.

Der Leistungssportbeschluss von 1969 hat für zahlreiche hallesche Sportler und Trainer tiefwirkende Konsequenzen. Durch die einschränkende Konzentration auf "medaillenintensive" Olympiasportarten verlieren die anderen ihre Förderungs-würdigkeit. Der Auf- und Ausbau des Sportkomplexes in der Kochstraße fördert gleichzeitig die führende Position, die der hallesche Hochleistungssport in einigen Sportarten (z.B. Leichtathletik, Turnen, Wasserspringen, Rudern) auch international einnimmt.

Herausragende Leistungen erzielten zahlreiche Athleten des DDR-Sports. Stellvertretend werden dafür die halleschen Olympiasieger genannt: Bernd Bransch (Fußball), Waldemar Cierpinski (Leichtathletik), Cornelia Ender (Schwimmen), Uwe Heppner (Rudern), Falk Hoffmann (Wasserspringen), Martina Jeschke (Wasserspringen), Thomas Lange (Rudern), Rüdiger Reiche (Rudern) und Roland Schröder (Rudern).

Nur scheinbar führt der Freizeit- und Erholungssport ein Schattendasein auch ohne die materiellen Bedingungen des Hochleistungssports. Die Einsatzbereitschaft zahlloser ehrenamtlicher Übungsleiter und Funktionäre sichert den sportwilligen Bürgern, im Maße der beschränkten Möglichkeiten, doch regelmäßigen und freudbetonten Sport.

Im Jahre 1990 vollziehen sich im Zusammenhang mit dem Untergang der DDR, der Bildung von Ländern auf ihrem Territorium und ihrer Aufnahme in die Bundesrepublik Deutschland am 03. Oktober 1990 tiefgreifende Veränderungen, die sich auch auf die Sportstruktur und -organisation im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR, so auch in Halle, auswirken. Im Zusammenhang mit dieser Umgestaltung nach dem Vorbild der Sportorganisation des Deutschen Sportbundes der Bundesrepublik (DSB) lösen sich zwischen Juni und Oktober 1990 die Bezirks-, Kreis- bzw. Stadtsportorganisationen des DTSB sowie die Bezirks-, Kreis- bzw. Stadtfachausschüsse der verschiedenen Sportarten auf und es konstituieren sich Kreis- bzw. Stadtsportbünde (KSB und SSB), Landessportbünde (LSB) sowie Landes-, Kreis- und Stadtfachverbände der Sportarten. Diese neuen Sportgremien und alle Vereine (ehemals "Betriebssportgemeinschaften") geben sich einen neue Satzung und lassen sich bei den Amtsgerichten in das Vereinsregister eintragen (e.V. = eingetragener Verein). Im Zusammenhang damit legen sich die Vereine größtenteils andere, meist ihre alten Namen aus der Zeit vor 1945, zu.

1990 gründete sich der Stadtsportbund Halle e.V. mit 63 Vereinen und 19.295 Mitgliedern, 2001 sind es bereits 142 Vereine mit 33.122 Mitgliedern. Neue Sportarten sind auch in unserer Stadt heimisch geworden. Insgesamt bieten Vereine ca. 65 Sportarten den sportinteressierten Bürgern und Bürgerinnen der Stadt an.

Dass aktive Freizeit und Sport im Verein wichtige Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens im Umland von Halle sind, belegen die 78 Vereine mit 10.160 Mitgliedern, welche dem Kreissportbund Saalkreis angehören, der ebenfalls im Jahr 1990 gegründt wurde. Traditionell dominieren im Angebot der Sportvereine des Saalkreises Fußball, Angeln, Reiten.

Ein wesentliches Ergebnis der sich seit 1990 vollziehenden Veränderungen, die sich auch im halleschen Sportleben sehr eindrucksvoll widerspiegeln, ist die Tatsache, dass der Breitensport, der gleichermaßen Freizeit-, Erholungs- und Rehabilitationssport ist, seine Gleichrangigkeit mit dem Leistungssport wiedergewinnt und im gesellschaftlichen Leben jedes einzelnen Menschen einen wachsenden Stellenwert einnimmt.

Im Leistungssport ist die Situation wesentlich schwieriger geworden. Den Vereinen fehlt die finanzielle Kraft, um mit der sich weiter vollziehenden Professionalisierung des Spitzensports mitzuhalten. Trotzdem bestimmen hallesche Sportlerinnen und Sportler in verschiedenen Sportarten das nationale und internationale Spitzenniveau mit. Olympiasieger werden Silke Renk (1992, Leichtathletik), Andreas Hajek (1992, 1996 Rudern), Ilke Wyludda (1996, Leichtathletik) und Jana Thieme (2000, Rudern).
Weltmeister wurden die Ruderer Andreas Hajek (1998, 1999, 2001), Jana Thieme (1998), Christian Schreiber (2001), Florian Eichner (2006) und Philipp Naruhn (2006).